Jahresarchiv für 2012

British Grand Prix, letzter Teil 27. September 2012

So, mit 3 Tagen Verspätung doch noch der Abschlussteil.

Nachdem ich im letzten November die beiden besten Spiele meines Lebens gesehen habe (Lincou gegen Palmer und Matthew gegen Mohamed el Shorbagy), die jeweils ~ 100-Minuten-Spiele auf einem Steincourt waren, sah ich jetzt noch eine Steigerung, nämlich 117 Minuten James Willstrop gegen Gregory Gaultier und das auf einem Glascourt, der ja nunmal langsamer als ein Steincourt ist und daher zwangsläufig die Ballwechsel langsamer und kürzer sein sollten als auf einem Steincourt.

Einschränkend natürlich muss man bedenken, dass es bei 5 Sätzen geschätzt 20 Video-reviews gab, die geschätzt 40 Sekunden in Anspruch nehmen, also müsste man 13 Minuten wiederum abziehen ;) , aber das ist jetzt „Korinthenkackerei. Daher die Frage an die Statistiker (eine Aufgabe für die Squashnet-Redaktion ;) ) ob es das längste Glascourt-Spiel war seit der Einführung von PARS11, also Punkt-pro-Ballwechsel-bis-11.

Die Kritik, die im Bericht der Squashnet-Redaktion und auf der bekanntesten englischsprachigen Squashseite (siehe von wem die Fotos sind) über die Schirleistung zu lesen ist, möchte ich aus verständlichen Gründen natürlich nicht kommentieren, aber man muss schon sagen, dass bei 2 Entscheidungen zugunsten von Willstrop bzw. zu Ungunsten von Gaultier, je nach Sichtweise) es ein deutliches Raunen unter dem zumeist britischem Publikum gab, was ja durchaus ein Indikator sein kann, was man von der jeweiligen Entscheidung zu halten hatte.

Und was halt besonders schwer wog, weshalb die o.g. Berichte die Entscheidungen so besonders erwähnten, war, dass sie bei so wichtigen Spielständen wie 10:9 und (ich glaube) 13:13 im 4.Satz passierten.

Aber mal ein kleiner Seitenhieb an die Squashnet-Redaktion:

Der Squashnet-Chefredakteur ist ja jetzt im 3. Jahr als „Berater“ des einheimischen Veranstalters tätig gewesen. Dann hätte er ja eigentlich 3 Jahre Zeit gehabt den Veranstalter dahingehend zu „beraten“ nicht ausschließlich britische Schiris einzuladen. ;)

So, noch kurz zum 2. Halbfinale. Das erste hatte um 16.10 Uhr geendet, was meine Zeitplanung gehörig aufmischte, denn eigentlich hatte ich meinen Rückflug so geplant, dass ich beide Halbfinals hätte komplett angucken könne, wenn das 2. Halbfinale pünktlich um 15.00 Uhr begonnen hätte.

Letztendlich musste ich aber Mitte des 2.Satzes beim 2.Halbfinale abhauen, um rechtzeitig zum Flughafen zu kommen.
Verpasst habe ich aber sowieso nix, denn Peter Barker schien, genauso wie sein vorheriger Gegner im 1/4-Finale gegen ihn, das Spiel schon vor Beginn „abgeschenkt“ zu haben und verlor sang- und klanglos 0-3 gegen Nick Matthew.

So, das war es. Ich melde mich in 2 Monaten wieder, wenn ich wieder von den London Open berichte, hoffentlich dieses Jahr sogar unter Beteiligung mindestens eines deutschen Spielers ;-)

British Grand Prix, Teil 5 (Manchester) 23. September 2012

Zunächst noch ein Nachtrag zum gestrigen ¼-Finaltag, nämlich der tägliche Wetterbericht. Gestern war es, untypischerweise für Manchester, sonnig und relativ warm, was sich auch gleich in einer höheren Temperaturin der Halle auswirkte, natürlich in Verbindung mit der auch größeren Zuschaueranzahl im Vergleich zum Vortag. Den ganzen Beitrag lesen »

British Grand Prix, Teil 4 (Manchester) 22. September 2012

Tagesaktuell wie nie zuvor geht es vom Laptop der Squashnet-Redaktion jetzt weiter.

Der ¼-Finaltag wurde wiederum von Simon Rösner eröffnet und zwar gegen Gregory Gaultier, gegen den er dieses Jahr schon diverse mal Spielen musste, z.B. beim World Series-Turnier in el Gouna/Ägypten und bei der EM in Nürnberg.
Und jedes Mal kommt Simon näher an Gregory Gaultier heran. Den gesamtem ersten Satz lag Simon immer knapp vorne, hatte sogar bei 10:9 einen Satzball und verlor den 1.Satz dann leider doch 10-12.
Ähnlicher Verlauf im 2.Satz, wieder Satzball bei 10:9, wieder vergeben, aber dann klappte es beim 2.Satzball doch zum 12:10-Satzgewinn.
Im 3.Satz zog Gaultier das Tempo wahnsinnig an, spielte ungeheuer risikoreiche Angriffboasts, denen Simon wenig entgegenzusetzen hatte, so dass der 3.Satz schbnell mit 10-5 an Gaultier ging
Aber dieses Tempo konnte Gaultier logischerweise so nicht weiter durchziehen und so entwickelte sich der 4.Satz wieder etwas ausgeglichener, auch wenn Gaultier nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet.

Dennoch wage ich zu behaupten, dass Simon gegen Gregory noch vor dessen 30.Geburtstag gewinnen wird. Die beste Gelegenheit dazu dürfte in der Bundesliga auf seinem Heimcourt sein, wenn Paderborn auf Stuttgart trifft.

Das 2.Spiel des Tages spielten die beiden Marathon-Match-Sieger des Vortages, nämlich Peter Barker und Adrian Grant.
Hierbei war aber offensichtlich, dass der über 30 jährige Grant sein gestriges Match noch nicht verkraftet hatte, denn er gab sich quasi willenlos 0:3 geschlagen.

So, das wars von der heutigen Mittags-session.
Weiter geht es hier in 10 Minuten. Davon berichte ich dann (hoffentlich) morgen.

British Grand Prix, Teil 3 (Manchester) 22. September 2012

Donnerstag ging es dann 45 Minuten lang weiter mit dem Zug nach Manchester, wo ab Freitag dann im National Squash Center die Hauptrunde ab dem 1/8-Finale gespielt werden sollte. Die links zur Halle und meiner Schlafgelegenheit in Manchester haben sich seit meinem Bericht vom Februar über die britischen Meisterschaften nicht geändert und können dort nachgeschaut werden.
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British Grand Prix, Teil 2 21. September 2012

Auch am 2.Tag stand ich bei den 4 Spielen vor schweren Wahl mich für 2 der parallel ausgespielten Partien entscheiden zu müssen. Bei nur 4 Spielen hätte man das auch zuschauerfreundlicher gestalten können alle 4 Spiele hintereinander nur auf einem Court zu spielen, denn die Zuschauerzahl war enttäuschend gering, so dass alle Zuschauer auf der kleinen Zuschauertribüne vor einem der beiden offenen Courts gepasst hätten.

Mein erstes Spiel war dann wieder Marwan el Shorbagy gegen den anderen Franzosen Mathieu Castagnet. Der Spielverlauf in den ersten beiden Sätzen ähnelten denen am Vortag vom Marwan el Shorbagy gegen Castagnets Landsmann Marche, wobei der erste Satz 30 Minuten dauerte. Jedoch blieb Castagnet auch im 3.Satz stets vorne, so dass el Shorbagy mehr und mehr die Nerven verlor und sein heißblütiges Temperament mehr und mehr die Oberhand gewann. In dieser Hinsicht muss er noch viel von seinem großen Bruder Mohammed el Shorbagy (in den Top10 der WRL) lernen.
So ging dann der 3.Satz deutlich mit 11:7 und somit das Spiel überraschend klar mit 3:0 an Castagnet.

Mein 2.Spiel am 2. Qualitag war das Spiel des Inders Saurav Ghosal, der wohl als der 2.schnellste Spieler auf den Beinen gilt (hinter dem Kolumbianer Rodriguez) gegen den spektakulär spielen Engländer Jonathan Kemp, der kürzlich die neuseeländische Topspielerin und WSA-Präsidentin Jaqueline Hawkes geheiratet hat.

Kemp spielt, für einen Engländer untypisch, jeden Ball hopp oder top. Er erinnerte mich in dieser Hinsicht ein wenig an Florian Pößl in seinen besten Tagen (außer dass Kemp Linkshänder ist). Simon Rösner meint sogar, dass Kemp noch extremer spiele.

Und so entwickelte sich das Spiel des Shotmakers Kemp gegen die Ballwand Ghosal wie erwartet und endete nach nur 54 Minuten, was für ein 5-Satz-Spiel auf der PSA-Tour sehr kurz ist, mit 11:9 für den kleinen Inder.
Schade, ich hätte gerne Kemp nochmal gesehen, denn auf dem Glascourt in Manchester wären seine Shots bestimmt noch besser gekommen.

Unmittelbar nach den 4 Qualispielen wurden dann die Qualifikanten ins Hauptfeld zugelost und auch die Reihenfolge der Lucky Loser.

Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, was da genau passierte, war es glücklich für die Veranstalter, dass bei der Auslosung der Lucky Loser kein Rechtsanwalt zugegen war ;-)

So, das war es vom 2. Qualitag.

Fortsetzung ab der Hauptrunde in Manchester folgt.

British Grand Prix, Teil 1 21. September 2012

Im Gegensatz zu letztem Jahr bin ich diesesmal am Dienstag, 20.09. auch schon nach Wolverhampton gereist um mir dort die beiden Qualifikationsrunden anzuschauen.

Wolverhampton liegt etwa 45 Minuten Zugreise vom Flughafen Birmingham entfernt, an dem ich das erste Mal war.

Am Dienstag und Mittwoch herrschte tagsüber noch strahlender Sonnenschein mit gefühlten 20°C, aber als ich abends aus der Squashhalle rauskam war es dann ganz schön frisch geworden und ich war froh die 15 Minuten Fußmarsch von der Halle zum Hotel hinter mich gebracht zu haben.

Gewohnt habe ich (und auch zufälligerweise Simon Rösner mit seinem Paderborner Teamkollegen Chris Simpson) in diesem Hotel

Das Hotel scheint wohl recht bekannt zu sein, denn im Zug vom Flughafen nach Wolverhampton sagte eine mir unbekannte Engländerin, die außerhalb Wolverhamptons wohnt, als sie meinen Hotelvoucher sah, dass es ein gutes Hotel sei.
Die Schiris hatten z.B. auch im letzten Jahr hier gewohnt.

Der Fußweg zur Halle führte zum Schluss durch eine Seitenstrasse mit vielen Eigenheimen, an deren Ende wohl eine Schule war, denn an beiden Tagen kamen mir ganze Horden von Schulkindern mit ihren Schuluniformen (Jacket und Krawatte, auch für die Mädchen) entgegen.

Der Squash- und Rasentennis-Club befindet sich also mitten in dieser feinen Wohngegend.

Gegründet wurde er schon 1885. Der damalige Architekt schien wohl einen Phaible für Labyrinth zu haben, denn auf der Suche nach den Squashcourts und auf dem Rückweg nach dem Ausgang hatte ich mich regelmäßig verlaufen ;-)

Naja, nachdem ich endlich die einzigen beiden offenen der insgesamt 7 Squashcourts gefunden hatte, traf ich dann auf die Mitarbeiterin des Turnierdirektors des Hauptturnieres in Manchester, so dass mich der Turnierdirektor des Wolverhampton-Turnieres auch ohne Eintrittskarte hineinließ.
Aber auch Simon Rösner hatte am Vortag mich schon als einen Bekannten angekündigt, so dass ich ohnehin eine Karte bekommen hätte.
Nochmals Danke an Simon an dieser Stelle.

Die Qualifikationsspiele wurden auf den beiden offenen Courts parallel gespielt, so dass ich leider nur die Hälfte aller Spiele sehen konnte.
So musste ich mich im Vorfeld jeweils entscheiden welches Spiel ich als interessanter einstufen würde.

Das Spiel von Simon Rösner fiel ja weg, da er durch die Absagen von Shabana und Darwish noch ins Hauptfeld rutschte, wo er jetzt, Ironie des Schicksals, in der ersten Hauptrunde auf den Franzosen Castagnet trifft, gegen den er eigentlich in der 1. Qualifikationsrunde hätte spielen sollen, so dass der Einzug ins ¼-Finale des hauptfeldes jetzt greifbar nahe erscheint.
Tja, nachdem Simon in seiner bisherigen Karriere oft viel Pech mit den Auslosungen hatte, sei ihm dieses Glück auch gegönnt.

Von den 4 Qualispielen des ersten Tages blieben mir 2 Spiele besonders im Gedächtnis.
Zum einen dass wieder einmal der kleine französische Wirbelwind Gregoire Marche eine Führung nicht nach Hause bringen konnte und 9:11 im 5.Satz gegen den Juniorenweltmeister Marwan el Shorbagy unterlag. Das war seit April jetzt das 4. Spiel welches ich von ihm gegen einen höherplatzierten Spieler sah in dem er eine 2:1- oder sogar 2:0-Führung nicht nutzen konnte.
Würden alle Spiele nur über 3 Gewinnsätze gehen, wäre er wahrscheinlich in den Top 20 der WRL, aber jetzt ist er nur um die 50 herum.

Im letzten Spiel des 1. Tages gewann dann der Engländer Joe Lee, der überhaupt nur wegen der beiden Absagen im Hauptfeld in die Qualifikation hereinkam, gegen den über 60 Plätze höher in der WRL stehenden Schotten Alan Clyne nach 94 Minuten.

Das war es vom ersten Qualitag.

PSA-Turnier Kent Open 2012 in UK, 2.Teil 10. Juli 2012

Das 2. Halbfinale ging dann aber sehr überraschend aus. Der Ägypter Karim Ali Fathi, dessen Name ich vorher noch nie gehört hatte (obwohl er 90. der WRL ist) putzte den an 2 gesetzten Finnen (45. der WRL) Henrik Mustonen ruckzuck mit 11:2, 11:4, 11:2 weg.

Fathi drosch auf die Bälle in Cameron Pilley-Manier ein und dagegen hatte der eher für seine weichere Spielweise bekannte Mustonen überhaupt kein Mittel. Und wenn der Ballwechsel mal zu lang wurde, dann kam bei Fathi auch noch filigrane ägyptische Schlagkunst zum Vorschein und er versenkte den Ball mit einem Cross-Volley-Nickstop.

Das war sehr beeindruckend. Danach gab man ihm eigentlich auch eine echte Siegchance im Finale, denn sein Finalgegner Chris Simpson stand in der WRL nur wenige Plätze vor Mustonen.

Aber erstmal noch chronologisch zum Rest des Samstags.

Bei dem immer noch guten Wetter wurde hinter der Squashhalle um 19 Uhr auf einer Art Terrasse mit Blick auf den Rasen des hinter der Squashalle befindlichem Cricket-clubs ein Grill aufgebaut, da vom Squashclub auch ein Barbeque angekündigt wurde für alle Teilnehmer und auch Zuschauer. Es gab Hühnchenkeulen, Burger mit dazugehörigem Brötchen, gerösteten Zwiebeln und Würstchen, die auch von uns hätten sein können.

Der Grillmeister bot sie auch jedermann als german sausage an.

Das ganze „all you can eat“ für die Zuschauer zum Preis von gerade mal 5 Britische Pfund, also 6 Euro. Auch das Essen, welches Joe täglich frisch kochte, war spottbillig. Ein großer Teller Thai-Curry mit Reis oder Nudeln mit Bolognaise oder Carbonara-Sauce kostete nur 4,5 Euro (5,40 Euro). Eine mittelgroße Fertigpizza nur 3 Pfund (3,60 Euro).

Getränkepreise waren aber teurer als in unseren Squashhallen.

Aber diese Phänomene, dass Speisen in den dortigen Squashhallen billiger, aber die Getränke teurer sind als bei uns, habe ich ja auch schon in London und Manchester erlebt.

Ich fachsimpelte dann während des BBQ noch einige Zeit mit der OSR´in, einem einheimischen englischen Bekannten von mir und später dann mit anderen einheimischen Zuschauern bis 23 Uhr, bis die Menge der noch anwesenden Leute im club sich langsam lichtete. Um diese Uhrzeit fand Alan dann keinen Fahrer mehr für mich und so bekam ich ein Taxi gerufen, welches mich für letztendlich 15 Pfund ins Hotel fuhr.

Und bei dieser Lösung blieb es dann auch am finalen Sonntag, also Abholung und Rückfahrt am späten nachmittag mit dem Taxi. D.h. der Veranstalter hat 45 Euro an Taxikosten nur für mich ausgegeben. Da sollte er sich, falls ich nächstes Jahr wieder nach dort eingeladen werde, besser mehrere Shuttlefahrer bereithalten, um solche unnötigen Mehrkosten zu vermeiden.

Der im Gegensatz zu den Vortagen wettertechnisch typisch englische Regensonntag begann eine Stunde vor dem Endspiel damit, dass Alan eine geeichte Radar Gun aufstellte, an der sich jedermann hätte versuchen dürfen. D.h. Die Radar gun wurde von außen vor die Glaswand gestellt und man musste dann von innen in Richtung der Radar gun auf die Glaswand schießen.
Die einheimischen Clubspieler schafften alle so um die 110 mph. Zum Vergleich: der Weltrekord von Cameron Pilley steht bei 175 mph.

Ich hatte keine Squashschuhe dabei und mit Socken wollte ich nicht in den Court. Daher habe ich es aber nicht versucht.
Alans Hoffnung war, dass der junge englische Spieler Robbie Downer den Weltrekord von Cameron Pilley knacken würde. Letztes Jahr schaffte Downer 171 mph, aber diesesmal nur 161 mph.
Den Bestwert schafften diesesmal der Däne Frost und überraschenderweise der eigentliche Weichspieler Mustonen mit je 165 mph.
Der Ägyper Fathi, der am Vortag noch Mustonen aus dem court schoss, nahm am Radar gun-Wettbewerb nicht teil, da er sich verständlicherweise auf sein Endspiel konzentrieren wollte.

Nächtes Jahr muss ich mal Rudy Rohrmüller überreden an dem Turnier und am Radar gun-Wettbewerb teilzunehmen :)

Bei der Schiri-Ansetzung fürs Finale fehlte dem Veranstalter dann leider der Mut, mir, dem von der Nationalität her gesehen neutralem Schiri, das Finale zu geben und so schiedste also die OSR´in das Finale mit mir als Marker.

Schade, denn der eigentliche Grund meiner Reise war eigentlich die Aussicht ein PSA-Finale schiedsen zu dürfen. :( Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Im Finale setze sich dann doch überraschend klar (überraschend angesichts der beeindruckenden Leistung des Ägypters am Vortag) der an Nummer 1 gesetzte Simpson gegen den ägyptischen Überraschungsfinalisten nach 45 Minuten in 3 Sätzen durch.
Simpson verstand es mit guter Länge und Breite den Ägypter nicht ins Spiel kommen zu lassen und so verlor der des öfteren „die Nerven“ und versuchte unmögliche Zauber-shots, die maximal Ramy Ashour gelingen würden, aber ihm eben in diesem Tag nicht.

Ich glaube, außer 2:0-Führungen im 1. und 3. Satz hatte in keinem der Sätze der Ägypter jemals in Führung gelegen.

Nach dem Finale gab es die übliche Siegerehrung mit Nennung aller Sponsoren usw, aber auch der Dank von Alan an die beiden namentlich genannten Schiris :)

Nach dem Finale und weiteren Fachsimpeleien an der Theke, ging es dann am frühen Abend zurück ins Hotel, wo es dann um 19.45 Uhr englischer Zeit das Fußball-WM-Finale bei BBC zu sehen gab.

Die Rückreise am Montag mittag war dann etwas einfacher als die Hinreise, denn da fuhr mich dann mein englischer Bekannte ca. 40 Minuten lang zum südlich von London gelegenem Flughafen Gatwick, von wo ich direkt nach Düsseldorf flog. Von dort brauche ich nur 3 S-Bahn-Stationen, bis ich um ca. 18 Uhr wieder zu Hause war.

ENDE!

PSA-Turnier Kent Open in England, Teil 1 8. Juli 2012

Nach meinen mittlerweile 6 Einsätzen in Ägypten in den vergangenen 3 Jahren habe ich am vergangenem WE zum 1. Mal aufgrund einer ganz offiziellen Einladung im Land der 2. Großmacht des Squash geschiedst, nämlich beim 10.000 USD-PSA-Turnier Kent Open in Maidstone, der 50 KM südöstlich von London gelegenen Hauptstadt der Graftschaft Kent mit ca. 75.000 Einwohnern.
Maidstone ist die Heimatstadt der Reporter-Legende des englischen Squashplayer-Magazins, Alan Thatcher, der z.B. auch beim Canary Wharf-event und einem World-series-Turnier in den USA als Ansager- und Court-Interviewer fungiert.
Bei den Kent Open ist er der Turnierdirektor und im Grunde genommen „Mädchen für alles“.

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Einzel-EM, letzter Teil 4. Juni 2012

Nachdem sich auf der squashnet-FB-Seite zwei Leser/innen bemüßigt fühlten an meinen Berichten rumzumeckern, war mir eigentlich die Lust vergangen diesen 6.Teil überhaupt noch zu schreiben.
Die squashnet-Redaktion überzeugte mich aber schließlich davon dass gerade mal 2 Meckerer bei einer dreistelligen Anzahl von Lesern doch eine gute Quote sei und man positive Resonanz von Deutschen selten bekommt, denn die deutsche Mentalität sei, nur sich mit Meckerein zu melden, aber zu schweigen, wenn es einem gefällt.

o.k., nun also zurück zum Bericht.

Im 2.Halbfinale hatte der Schirikollege einen schweren Stand mit den Spielern, die sich trotz zweifacher Aufforderung des Schiris nicht daran halten wollten dem Gegner den Weg zum Ball freizugeben bzw. auch nicht immer den Eindruck machten den Ball unbedingt spielen zu wollen und es vorzogen auf den Gegner aufzulaufen und auf eine Let-Entscheidung zu hoffen.
Naturgemäß lag der Schirikollege dann anhand des von ihm angekündigten strikten Handelns verstärkt entweder Ball-an oder kein Let zu geben, nach Meinung der Spieler und vieler Zuschauer auch das eine oder andere mal daneben, aber auch die Spieler hatten einen großen Anteil an der Sache.

Diesem Spiel hätte es sicher gut getan, wenn es im 3er-Schiri-System geschiedst worden wäre.

Beim Abendessen entschuldigten sich dann beide Spieler beim Schirikollegen und auch der OSR/Assessor gesellte sich dazu und die 4 unterhielten sich noch recht lange.
Ich vermute, dass der OSR den Spanier darauf hinwies, dass er im Finale ein saubereres Spiel der beiden Kontrahenten im Court sehen wolle.

Am Finaltag, welcher wie auch die Tage 2 und 3 mit den Spielen um 10 Uhr begann, wurden nicht mehr alle Spiele ausgetragen, da sich der/die eine oder andere Spieler/in verletzt hatte bzw. ein Spieler sogar vorzeitig abgereist war, um zu einem PSA-Turnier zu fliegen.

Dieses ergab dann doch die Möglichkeit, dass das Damen- und Herrenenspiel sowie das Spiel um Platz 3 der Herren im 3-Schiri-System ausgetragen wurde.

Als erstes berichtenswert war das Spiel um Platz 3 der Damen zwischen der Tchechin Lucie Fialova und der Schweizerin Gaby Huber-Schmohl und das gleichzeitig stattgefundene Spiel um Platz 5 der Herren zwischen dem Franzosen Gregoire Marche und dem Schweizer Nicolas Müller.
Das Spiel um Platz 3 der Damen hätte ich eigentlich schiedsen sollen, aber da mein vorheriges Spiel auf einem anderen Court zu lange dauerte, musste einer meiner Kollegen einspringen. Eigentlich sehr schade, denn das Spiel war das dramatischte Damenspiel der ganzen Veranstaltung. Fialova führte 2-0 in Sätzen, Huber-Schmohl glich aus, aber dann gewann Fialova doch nach ca. 75 Spielminuten. Auf dem anderen Court, dem man von einem “Balkon” stehend parallel dazu einsehen konnte, gestaltete sich das Spiel der Herren um Platz 5 ebenso dramatisch. Die ersten beiden Sätze teilten sich die Spieler mit 19:17 bzw. 9:11 und da war dann schon eine Stunde Spielzeit herum. Letztendlich gewann Müller dann nach geschätzt 100 Minuten.

Nach dem Spiel um Platz 3 der Damen gab es auch noch eine Ehrung für verdiente Mitglieder des finnischen Verbandes, bevor es dann mit dem Finale der Damen losging, bei dem ich rechter Seitenschiri im 3er-Schiri-System war. Das Spiel ging dann mit 3-1 Sätzen für die Französin Camille Serme gegen die Niederländerin Natalie Grinham ohne Probleme für uns Schiris über die Bühne.

Parallel zum Damenfinale fand das Spiel der Herren um Platz 3 zwischen Simon Rösner und dem Franzosen Mathieu Castagnet statt, welches von 3 Finnen geschiedst wurde.
Simon gewann in 4 Sätzen nach verlorenem 1.Satz, woraufhin sein Gegner 2 Schläger vor Wut zerlegte.

Vor dem anschließendem Herrenfinale stand dann einer der zuvor geehrten finnischen Funktionäre auf und peitschte das Publikum nochmal richtig auf mit mit der Bitte, das Publikum sollte “Olli, Olli, Olli”-Rufe und die LaOla-Welle machen.
Scheint wohl genutzt zu haben, denn Tuominen war, wie auch schon im 1/2-Finale gegen Simon top eingestellt und führte von Beginn an und gab bis zum 11:9 die Führung auch nicht mehr ab. Der Satz war für ihn klarer als es dieses knappe Ergebis eigentlich aussagte. Der Verlauf des 2.Satze war ein bisschen kurioser, denn bis zum 5:5 waren beide Spiele immer gleichauf bzw. einen Punkt auseinander, dann plötzlich führte Golan 9:5, aber machte dann keinen Punkt mehr und verlor daher diesen 2.Satz ebenso 9:11. Damit war sein Wille gebrochen und der 3.Satz ging dann ruckzuck klar mit 11:3 an den Finnen.

Wir Schiris hatten mit dem Spiel kein Problem, weil dieses mal die Spieler auch sauber spielten.

Damit war also der schiedsrichterliche Teil der Veranstaltung für mich zu Ende, aber nicht der sportliche, denn der kam noch, da ich mit einer finnischen Volunteerin, die eigentlich in Deutschand lebt und die extra für diese Veranstaltung auf Heimaturlaub fuhr, noch eine Stunde selber Squash spielte, bevor wir von einem anderen finnischen Volunteer zur Abschlussparty (Players Party) in einen Pub in der Innenstadt namens “Stone´s” gefahren wurden.
Als wir dort fast angekommen waren, kam uns das polnische Team entgegen. Nachher fand ich heraus, dass sie 100 Meter weiter bei McDonalds zum Essen waren, denn bei der Players Party gab es neben dressinglosem Salat und Brot noch Sauerkraut mit Mettwürstchen, was wohl nicht den Geschmack der Pol/innen und der spanischen Spielerin traf, die ebenso bei McDonalds war.

Die Party begann schon um 19 Uhr und war ziemlich langweilig, so dass ich mich schon sehr bald danach sehnte, dass es 22 Uhr werden würde, wenn der erste Bus zurück zum Hotel fahren würde. Diesen verpasste ich, im Gegensatz zu meinen Schirikollegen, leider, da mich genau zu dieser Uhrzeit der Turnierdirektor in ein Gespräch verwickelte. Eine angenehme Szene des Abends gab es noch als mich der spanische Spitzenspieler Borja Golan fragte, ob ich im Oktober bei einem 25.000 USD-Turnier in seiner Heimatstadt Santiago der Compostela schiedsen wolle. Ich sagte natürlich spontan, dass ich Interese daran hätte und so ließ er sich meine e-mail-Adresse geben.
Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass das Turnier genau während der NRW-Herbstferien stattfindet, wo ich dann nicht von der Arbeit freinehmen kann :(

So, um 23 Uhr habe ich dann den 2.Shuttlebus zurück zum Hotel genommen mit Simon Rösner, einer der holländischen Spielerinnen und der Spanierin.
Zurück am Hotel angekommen traf ich dann meine Schirikollegen draußen vor dem Hoteleingang sitzend bei geschätzten immer noch 15°C und das um 23.30 Uhr abends in Helsinki!

Auch am nächsten Morgen war wieder strahlender Sonnenschein mit über 20°C.

Da das Hotel eine große Liegewiese hatte, wusste ich also wie ich die Zeit herumbringen konnte bis ich um 14.15 Uhr zum Flughafen gebracht werden würde, zusammen mit 3 meiner 4 Schirikollegen, dem hollandischen Team und den beiden Spaniern.

Fazit: Auch wenn es eine Ehre war von der ESF als einer von nur 4 Schiris zu diesem Turnier eingeladen worden zu sein, hat ein einziges verwertbares Testat die Teilnahme kaum gelohnt, aber nun ja, das konnte man ja vorher nicht ahnen.
Dafür bin ich bei dem Superwetter aber schön braun geworden. Wer hätte das gedacht bei einem Aufenthalt in Helsinki ;)

So, das wars von diesem Turnier.

Ich habe eine Einladung zu einem weiteren Turnier im Ausland bekommen, und zwar diesesmal nicht in Ägypten. Davon werde ich dann wieder berichten.

Euer Oliver

Einzel-EM in Helsinki, 5. Teil 31. Mai 2012

im Laufe dieses 2.Wettkampftages hatten wir dann auch den Co-Ordinator des Shuttle- und Fahrservices kennengelernt und konnten mit ihm vereinbaren, dass wir Schiris einen privaten Fahrservice außerhalb der Shuttlebuszeiten bekamen. So konnten wir nach dem Ende der letzten Spiele immer noch in Ruhe zum Abendessen in der benachbarten Bowlinghalle gehen und wurden auch nach dem letzten Shuttlebus von ihm zurück ins Hotel gebracht. Genauso wie er uns morgens 35 Minuten nach dem Shuttlebus abholte, so dass wir nicht mehr eine Stunde, sondern nur noch 25 Minuten vor Beginn der ersten Spiele am Morgen an der Halle waren.

Und an diesem 3.Wettkampftag hat dann endlich das geklappt wofür ich überhaupt dort hingefahren bin, nämlich ein verwertbares Testat (auf englisch assessment genannt. Daher heißt der Prüfer ja auch Assessor). Vorher und nachher hatte ich 4 nicht verwertbare Testate, da es zu wenig Entscheidungen gab, auch wenn 3 der Testate fehlerlos waren. Im Grunde genommen ja eigentlich auch ein bisschen unfair, denn wenn man das macht was die Assesoren wollen, nämlich mit einer frühen harten no-let oder Ball-an-Entscheidung das Spiel in eine Richtung zu lenken, dass die Spieler entweder mehr Mühe zeigen den Ball spielen zu wollen oder den Weg frei zu machen, und die Spieler dann zu wenig Let fordern und es zu wenig Entscheidungen gibt, hat man als Prüfling nachher nix davon (außer ein ruhiges Spiel).
Naja, aber wenigenstens hatte ich 1mal das Glück ein Spiel um die Plätze 9-16 gehabt zu haben mit 25 Entscheidungen und alle richtig :) Erinnert mich fast an alte Zeiten im Jahre 1994, als ich meine B-Lizenz im Schnellverfahren inerhalb eines 1/2 Jahren gemacht habe.

Leider blieb dieses o.g. Assessment das einzige verwertbare :(

Die 1/2-Finalspiele der Damen-Hauptrunde verliefen glatt für die beiden an 1 und 2 gesetzten Natalie Grinham und Camille Serme, im Gegensatz zu den 1/2-Finalspielen der Herren.
Zunächst musste Simon Rösner gegen den Lokalmatadoren Olli Tuominen ran, der mich am Vortag spielerisch (siehe mein gestriger Bericht) wenig überzeugt hatte.
Aber gegen Simon sah man einen ganz anderen Tuominen. Jetzt sah man warum Simon gegen ihn eine deutlich negative Bilanz hat. Mir scheint das Tuominens Spielweise Simon einfach auch nicht liegt und dazu kam dann noch ein enthusiastisches Publikum wie es mich an das ägyptische Publikum erinnert, wenn Ramy Ashour spielt bzw. an das Paderborner Publikum bei den Spielen unserer Jungs bei der letzten WM in Paderborn.
Hätte ich nicht gedacht dass finnische Zuschauer so abgehen können. Bis 3:5 im 3.Satz bei Satzgleichstand konnte Simon noch mithalten, aber dann brachte ihn eine vermeintliche Fehlentscheidung des Schiris so außer Fassung, dass er den 3.Satz ohne weiteren Punktgewinn abschenkte. Anfangs des 4.Satzes gab es nochmal ein kurzes Aufbämen, aber man sah dann doch sehr bald, dass für Simon auch an diesem Tag gegen einen wie entfesselt aufspielenden Tuominen nichts zu holen war.
Wenn ich oben schrieb “des Schiris” war das kein Verschreiber, sondern richtig, denn wegen des chronischen Missverhältnisses der Anzahl der Spiele (es wurde ja in beiden Feldern jeder Platz ausgespielt) und der Schiris hat der OSR auch am 1/2-Finaltag auf das 3-Schiri-System verzichtet.

Fortsetzung im Teil 6