Monatsarchiv für Februar 2012

Britische Meisterschaften in Manchester, 2. Teil 17. Februar 2012

So, nun also zum Squash-event selber.

Erstaunlich fand ich die enorme Menge an Volunteers. Da gab es 3 Frauen am Eintrittskartenverkauf (Eintrittskarten = Armbändchen) im Vorraum, in dem man auch Essen und Getränke bekam, wovon eine auch gleichzeitig die Ergebnisse live ins Internet eintrug und mehrfach am Tag auch ausdruckte, 2mal davon auch als Infozettel fürs Publikum.

Dann sitzen an der Eingangstüre zur Squashhalle 2 weitere Frauen, um zu kontrollieren, ob man auch Eintritt bezahlt hatte und dann an der Eingangsbereich zu den Squashcourts nochmal 2.

Das ist ja wie in einem Flughafen gewesen. Kontrolleure über Kontrolleure.

Und dann auch noch die Volunteers an den Courts. Für jeden Court gab es 2 Putzer/innen, die nach jedem Warmspielen und in jeder Satzpause den Court fegten bzw. die Glaswand saubermachten, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre.

Also alles wahnsinnig übertrieben.

Alle Volunteers trugen natürlich einheitliche Turnier-Shirts, genauso wie auch die Schiris, die jedoch andere Turnier-Shirts hatten.

Es wurden also keine Kosten und Mühen gespart.

Einer der Volunteers als Courtputzer soll sogar derjenige gewesen sein, der sonst im Alltag Manager des Squashbereichs war. Keien Ahnung, ob das wirklich stimmte.

Bei den Schiris gab es auch die ganze Bandbreite. Alle 4 in England bzw. Wales lebenden World-Referees waren dabei, aber auch über 70-jährige Männer und Frauen, die teilweise nur Punktrichter machen durften.

Erstaunlich war, dass 2 der World-Referees wirklich alles schiedsten. Sogar auch ab dem 3.Tag bei den Seniorenmeisterschaften.
Aber bei den britischen Meisterschaften gibt es keine Trostrunden bzw. Platzierungsspiele. Wer 1mal verliert, ist raus.

Entsprechend der Bandbreite an Schiris waren die Leistungen der Schiris auch sehr durchmischt, aber trotzdem habe ich in keinem der Spiele an allen 3,5 Tagen irgendwelches richtig skandalöses Benehmen von Spielern gesehen, auch nicht bei schlecht geschiedsten Spielen, auch wenn es eine Verwarnung und einen Strafpunkt wegen Schiribeleidigung gab. England ist also wirklich ein Paradies für Schiedsrichter.

Der Montag letzte Woche, an dem ich ankam, war der Tag der Qualifikationsfinals der Herren, an dem die Spieler 2 Spiele absolvieren mussten und die 1. Qualifikationsrunde der Damen.

Bei beiden Feldern gab es das erwartet hohe spielerische Niveau, denn sogar in diesen beiden Qualifikationsfeldern gab es Spieler/innen, die ich schon kannte.

Aber es gab auch Namen (sogar in den Hauptrunden), die ich vermisste. Die prominenteste, die nicht mitspielte, war die knapp 18-jährige Emily Whitlock, immerhin Nr. 33 der Damen-Weltrangliste. Sie spielte lieber ein WSA-Turnier, wo sie auch prompt ihren ersten WSA-Titel einheimste.

Bemerkenswert am 1. Tag war ein 31-jähriger schottischer Spieler, der nacheinander 2 englische Jugendnationalspieler im 5.Satz raushaute. Den ersten nach 0:2 Satz-Rückstand und den anderen nach 1:2 in den Sätzen und 4 Spielbällen im 4.Satz gegen sich, als er eigentlich konditionell am Ende war und zu den Bällen gar nicht mehr hinlaufen wollte. Aber der Jugendspieler spielte ihm seine eigenen Matchbälle quasi immer zu und der Schotte nutzte die Chancen.
Im 5.Satz holte sich der englische Jugendnationalspieler dann eine Aduukktorenzerrung, so dass er den Sieg seinem konditionell platten Gegner überlassen musste, auch wenn das Spiel zu Ende gespielt wurde.

Entsprechend platt hat der Schotte dann am nächsten Tag sein erstes Hauptrundenspiel auch quasi abschenken müssen.

Aber das war eher die Ausnahme, ansonsten haben die niedriger rangierten Spieler ihre Haut teuer verkauft, so dass sogar die Weltranglistenersten und – zweiten Nick Matthew und James Willstrop Satzverluste hinnehmen mussten.

Letztendlich setzten sich dann aber doch in beiden Feldern je 7 der 8 Topgesetzten bis zum ¼-Finale durch, wobei in beiden Fällen der/die nicht durchgekommene Favorit/in verletzungsbedingt nicht mehr antreten konnte.

Noch eine Anekdote aus dem Damenbereich.
Mir fiel in der Damenqualifikationsrunde eine eine sehr hübsche, athletische Spielerin mit südländischen Aussehen und Namen auf, die ein T-Shirt mit „Squashinsel Tübingen“ trug.

Ich ging dann zu ihr und wollte sie gerade auf das T-Shirt ansprechen, als sie zu mir sagte: „I know you“.
Da war ich erstmal perplex, denn bekannt kam sie mir nicht vor.

Wir diskutierten auf englisch hin und her woher sie mich denn kennen könnte, und schließlich fanden wir die Lösung: Sie spielte als Jugendliche für England bei der U19-Jugend-EM in Bremen im Jahre 2000 wo ich geschiedst hatte, also vor fast 12 Jahren und sie erkannte mich noch! Phänomenal.

Dann wechselten wir die Sprache und sie erklärte mir in einem super-Deutsch, dass sie das T-Shirt daher habe, dass sie in Tübingen studiert habe und jedes Jahr regelmäßig dort zurückkehre, um alte Studienfreude zu besuchen.

Ihr südländisches Aussehen und Namen hatte sie von ihrem Vater, denn der war Ägypter, aber mittlerweile auch mit englischem Pass.

Er wurde am Ende 2. im Seniorenfeld Ü60.

Das wars zum Damen- und Herrenhauptfeld.

Wie schon oben angedeutet, bei den Briten wird die normale Meisterschaft und die Seniorenmeisterschaft parallel veranstaltet.

Dabei traf ich dann auch noch einen Bekannten, nämlich den für Hanse Squash Hamburg in der 2.DSL spielenden Mark Woodliffe, der letztendlich das Ü50-Feld auch ohne Satzverlust gewann.

Bemerkenswert war dabei, dass Mark bei seinem ersten Spiel, welches ich noch sehen konnte, eine Hose mit DSL-Logo trug.
Ich sprach ihn darauf an und er antwortete, dass er alle seine DSL-Hosen dabeihabe und sie dort tragen werde.

So, das wars.

Ich musste dann letzte Woche Donnerstag vor dem ¼-Finale das Paradies für Schiedsrichter in England verlassen, um in unserer DSL zu schiedsen.

Meine nächsten Berichte kommen dann in 5 Wochen, wenn ich aus London vom 50.000 USD-Turnier „Canary Wharf“ berichten werde.

Britische Meisterschaften, Manchester (Teil 1) 13. Februar 2012

Hallo zusammen,

ich war mal wieder auf selbstfinanziertem „Schiri-Bildungsurlaub“ ;)

Und zwar war ich von vergangenem Montag bis Donnerstag nachmittag für 3,5 Tage bei den britischen Meisterschaften (Qualifikationsfinals bis 1/8-Finale) im National Squash Center in Manchester, direkt neben dem Fußballstadion von Manchester City.

Begonnen hatte meine Reise mal wieder typisch britisch. Es war Nebel über Manchester und somit hatte mein Flieger 1,5 Stunden Verspätung. Den ganzen Beitrag lesen »