Monatsarchiv für Mai 2012

Einzel-EM in Helsinki, 5. Teil 31. Mai 2012

im Laufe dieses 2.Wettkampftages hatten wir dann auch den Co-Ordinator des Shuttle- und Fahrservices kennengelernt und konnten mit ihm vereinbaren, dass wir Schiris einen privaten Fahrservice außerhalb der Shuttlebuszeiten bekamen. So konnten wir nach dem Ende der letzten Spiele immer noch in Ruhe zum Abendessen in der benachbarten Bowlinghalle gehen und wurden auch nach dem letzten Shuttlebus von ihm zurück ins Hotel gebracht. Genauso wie er uns morgens 35 Minuten nach dem Shuttlebus abholte, so dass wir nicht mehr eine Stunde, sondern nur noch 25 Minuten vor Beginn der ersten Spiele am Morgen an der Halle waren.

Und an diesem 3.Wettkampftag hat dann endlich das geklappt wofür ich überhaupt dort hingefahren bin, nämlich ein verwertbares Testat (auf englisch assessment genannt. Daher heißt der Prüfer ja auch Assessor). Vorher und nachher hatte ich 4 nicht verwertbare Testate, da es zu wenig Entscheidungen gab, auch wenn 3 der Testate fehlerlos waren. Im Grunde genommen ja eigentlich auch ein bisschen unfair, denn wenn man das macht was die Assesoren wollen, nämlich mit einer frühen harten no-let oder Ball-an-Entscheidung das Spiel in eine Richtung zu lenken, dass die Spieler entweder mehr Mühe zeigen den Ball spielen zu wollen oder den Weg frei zu machen, und die Spieler dann zu wenig Let fordern und es zu wenig Entscheidungen gibt, hat man als Prüfling nachher nix davon (außer ein ruhiges Spiel).
Naja, aber wenigenstens hatte ich 1mal das Glück ein Spiel um die Plätze 9-16 gehabt zu haben mit 25 Entscheidungen und alle richtig :) Erinnert mich fast an alte Zeiten im Jahre 1994, als ich meine B-Lizenz im Schnellverfahren inerhalb eines 1/2 Jahren gemacht habe.

Leider blieb dieses o.g. Assessment das einzige verwertbare :(

Die 1/2-Finalspiele der Damen-Hauptrunde verliefen glatt für die beiden an 1 und 2 gesetzten Natalie Grinham und Camille Serme, im Gegensatz zu den 1/2-Finalspielen der Herren.
Zunächst musste Simon Rösner gegen den Lokalmatadoren Olli Tuominen ran, der mich am Vortag spielerisch (siehe mein gestriger Bericht) wenig überzeugt hatte.
Aber gegen Simon sah man einen ganz anderen Tuominen. Jetzt sah man warum Simon gegen ihn eine deutlich negative Bilanz hat. Mir scheint das Tuominens Spielweise Simon einfach auch nicht liegt und dazu kam dann noch ein enthusiastisches Publikum wie es mich an das ägyptische Publikum erinnert, wenn Ramy Ashour spielt bzw. an das Paderborner Publikum bei den Spielen unserer Jungs bei der letzten WM in Paderborn.
Hätte ich nicht gedacht dass finnische Zuschauer so abgehen können. Bis 3:5 im 3.Satz bei Satzgleichstand konnte Simon noch mithalten, aber dann brachte ihn eine vermeintliche Fehlentscheidung des Schiris so außer Fassung, dass er den 3.Satz ohne weiteren Punktgewinn abschenkte. Anfangs des 4.Satzes gab es nochmal ein kurzes Aufbämen, aber man sah dann doch sehr bald, dass für Simon auch an diesem Tag gegen einen wie entfesselt aufspielenden Tuominen nichts zu holen war.
Wenn ich oben schrieb “des Schiris” war das kein Verschreiber, sondern richtig, denn wegen des chronischen Missverhältnisses der Anzahl der Spiele (es wurde ja in beiden Feldern jeder Platz ausgespielt) und der Schiris hat der OSR auch am 1/2-Finaltag auf das 3-Schiri-System verzichtet.

Fortsetzung im Teil 6

Einzel-EM in Helsinki, 4. Teil 30. Mai 2012

am 2. Wettkampftag war dann nicht mehr so arg accord-schiedsen angesagt, da die Trostrundenspiele ja nur noch mit Einzelschiri geschiedst wurden.

An diesem 2. Tag muste jede/r Spieler/in 2mal ran. In der ersten Spielrunde am (vor)mittag gab es keine nennenswerten Überraschungen, außer vielleicht einer kleinen im Damenfeld als eine 5-8 gesetzte Spielerin gegen eine 9-16 gesetzte verlor. Aber dieses Spiel hatte ich eh spannend erwartet. So war meine Überraschung, dass die vermeintliche Außenseiterin gewann, auch nicht so groß.

Dieses Spiel schiedste ich, genauso wie auf dem Centercourt das Spiel von Olli Tuominen gegen den Niederländer Bart Ravelli. Hier tat sich Tuominen unglaublich schwer gegen den weit niederiger einzuschätzenden Niederländer. Im Grunde genommen diktierte Ravelli 2,5 Sätze lang das Spiel. Nur seiner Routine und seinem Geschick noch Bälle im letzten Augenblick vom Boden wegzukratzen, verdankte Tuominen es, dass er nicht 0-2 in Satzrückstand geriet, sondern er den ersten Satz nach Abwehr von diversen Satzbällen noch 14-12 gewinnen konnte, wonach er aber den 2.Satz klar abgab. Erst Mitte des dritten Satzes setzte sich dann doch die Klasse von Tuominen durch, auch wenn es am Ende des 4. Satzes noch mal eng wurde, nachdem Ravelli 6 Matchbäle abwehren konnte.

Nach dieser glanzlosen Vorstellung dachte ich mir noch, dass, wenn Tuominen so 2 Runden weiter gegen unseren Simon Rösner spielen würde, es ein leichtes Spiel für Simon werden würde.

Bei den 1/4-Finalspielen eine Runde weiter in der Nachmittag/Abendsession hatten es aber mehrere in sich.
Zunächst verlor der an 3-4 gesetze Schweiter Nicolas Müller gegen den an 5-8 gesetzten Franzosen Castagnet.
Und dann gab es wieder den erwarteten Krimi von Simon Rösner gegen die nur geschätzt 1,70m kleine französische Ballwand Gregoire Marche. Vor 7 Wochen beim World-Series-Turnier musste Simon einem 1:2-Satzrückstand hinterherlaufen um nach 87 Minuten zu gewinnen. Dieses mal lag er sogar 0:2 in Sätzen zurück, um dann nach 72 Minuten doch noch zu gewinnen.
Bei den Damen lief alles glatt. Alle an 1-4 gesetzten Damen erreichten mühelos das 1/2-Finale.

Fortsetzung morgen.

Einzel-EM in Helsinki, 3. Teil 29. Mai 2012

Nachdem wir Schiris also dort fast 24 Stunden nutzlos rumgebracht haben, war dann ab 16 Uhr das genaue Gegenteil, nämlich accord angesagt, also die im vorherigen Bericht angekündigte Quadratur des Kreises, nämlich 18 matches auf 3 Courts je mit Schiri und Marker, d.h. also für jeden je 6 matches abwechselnd als Schiri bzw. Marker hintereinander ohne Pause.

Zum Glück gehen 1.-Rundenspiele ja nicht so lange und es waren ja auch 5 Frauenspiele dabei, so dass wir um 21.15 Uhr genau planmäßig fertig waren.

Der OSR-Assessor in Personalunion war aber so nett zu erlauben, dass jeder einmal seine Markerfunktion schwänzen durfte, so dass man eine 1/2 Stunde Zeit hatte zum Abendbuffet zu gehen, denn das gab es “nur” bis 21.00 Uhr in der Bowlinghalle nebenan, die man mit einem Seiteneingang durch die Squashhalle erreichte.

Wie oben geschrieben, war das planmäßige Ende der Spiele punktgenau um 21.15 Uhr und genau dann fuhr auch planmäßig der letzte Shuttlebus zum Hotel, den wir Schiris dann, quasi noch mit dem Schiribogen in der Hand, enterten. Wie die Spieler, die die letzten Spiele hatten, ins Hotel gebracht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Von den Spielen selbst gab es nix besonderes zu berichten, außer der überraschenden Niederlage des Holländers Schweertman gegen einen bisher unbekannten Spieler aus Tchechien, der wegen seiner dunklen Hautfarbe besonders auffiel. Sein Vater ist nämlich Äthopier, nur die Mutter Tchechin.

Das Hotel in dem wir unterbracht waren, befand sich etwa 15 Fahrtweg entfernt im angrenzenden Städtchen Espoo, in dem im letzten Jahr die Mannschafts-EM stattgefunden hatte.

Das war wirklich ein Tophotel, also da hatte der Veranstalter wirklich nicht an Kosten und Mühen gespart sich dieses Hotel als Turnierhotel zu sichern.

Die Spiele am 2.Morgen sollten um 10 Uhr beginnen, der Shuttle-Bus fuhr schon um 8.45 Uhr los, Ankunft um 9.00 Uhr an der Halle, denn die Spieler/innen sollen sich sich ja in Ruhe genügend aufwärmen können und die Schiris sich “mental vorbereiten ;)
Fortsetzung morgen.

Einzel-EM in Helsinki, 2. Teil 28. Mai 2012

so, ich mache mal chronologisch weiter mit dem 1. Wettkampftag.

Der begann erstmal mit einer mehr oder weniger selbstverschuldeten Panne. Frühstück im Hotel sollte es bis 10 Uhr geben, also stellte ich mir meinen “Funk”wecker für 8.45 Uhr. Woran ich aber nicht mehr gedacht hatte, war, dass Finnland eine Stunde weiter als Deutschland ist und mein blöder sog. Funkwecker hat doch tatsächlich im Land von Nokia, einem der weltweit größten Mobile-phone-Hersteller kein Funksignal empfangen, so dass er sich also nicht selbstständig auf die Ortszeit eingestellt hat! Wie kann denn so etwas passieren? Selbst in Ägypten empfängt der Funkwecker ein Signal und stellt sich selbst, aber im Nokia-Land Finnland nicht?
Tja, und dadurch schellte mein Wecker also zu meiner deutschen Zeit, was aber Ortszeit schon 9.45 Uhr war ;-(
So hieß es also ohne zu duschen in Rekordzeit sich anziehen und zum Frühstücksraum flitzen.
Zum Glück nahm es das Frühstücksraumpersonal aber mit der Zeit nicht so genau und so blieb doch noch ausreichend Zeit zum Frühstücken. Dem spanischen Spitzenspielerpaar Borja Golan und Xisela Aranda war dieses Missgeschick mit der vergessenen Zeitumstellung übrigens auch passiert ;)
Dann schnell hoch ins Zimmer, Duschen und Zähneputzen und um 10.45 Uhr ging es dann mit einem Shuttlebus zur 15 Minuten entfernten Squashhalle Talihalli, wo um 12 Uhr dann eine Besprechung von Schiris, Schiriprüfer (auch Assessor genannt), Turnierdirektor und Technical Director der ESF (dem Österreicher Michael Khan, vielen noch als Ex-Präsident und jetziger Geschäftsführer des österreichischen Squashverbandes bekannt) stattfinden sollte. D.h. mal wieder eine Stunde nix zu tun. Zum Glück schien mal wieder die Sonne und vor der Squashhalle gab es genügend Stühle zum Sitzen ;)
Bei der Besprechung stellte sich heraus, dass von finnischer Seite es doch einige organisatorische Versäumnisse gab und dabei die Schiris, wie so oft, am meisten “vergessen” wurden.
Ich will aber nicht ins Detail gehen, sonst heißt es nur wieder dass der Orlicki sowieso immer an allem etwas zu meckern hat ;-) , aber jetzt merkt man mal wieder wie großartig die Organisation und auch die Betreuung der Schiris bei der WM letztes Jahr in Paderborn und bei den beiden Turnieren (Mannschafts-EM und DM) in diesem Monat in Nürnberg waren. Auch wenn sie es wahrscheinlich nicht lesen werden, auf diesem Wege nochmal Danke an die Hauptverantwortlichen Norman Farthing und Rudi Rohrmüller und ihre Teams.

Zurück zum Turnier in Helsinki:

2 Details möchte ich dann doch noch nennen, nämlich dass der finnische Verband “vergessen” hat, dass ein Turnier auch einen Oberschiedsrichter (OSR) braucht und so wurde kurzerhand der Assessor, mehr oder weniger gegen seinen Willen, zum OSR ernannt. Darüber hinaus stellte technical director klar, dass (entgegen der Ausschreibung) er wünsche, dass keine Spieler schiedsen müssten und die Hauptrundenspiele mit Schiri und Marker (Punktrichter) und ab den Halbfinals sogar im 3er-Schiri-System geschiedst werden solle. Aber da wir eh nur 4 internationale Schiris waren und der finnische Verband auch nur 4 Schiris stellte, von denen an den ersten 3 Tagen nur immer 2 gleichzeitig anwesend waren (am Finaltag dann 3), stellten diese Anforderungen an den Assessor/OSR jetzt quasi eine Aufgabe “Quadratur des Kreises” dar, denn oft wurde auf 4 Courts gleichzeitig gespielt. So wurde also kurzerhand noch ein russischer Funktionär als Aushilfsschiri engagiert von dem man wusste dass er in Paderborn auch als Schiri dabei war. Leider erwies er sich bei seinem 1. Spiel als Schiri nicht als einsatzfähig und so war er für den Rest des Turnieres nur noch als Marker bei den engen Spielen eingesetzt bzw. als Schiri nur bei den Spielen jenseits der ersten 16 Plätze.
2 Hiobsbotschaften für das gesamte Turnier gab es auch noch, denn sowohl die Nummer 1 der Setzliste der Männer (Gregory Gaultier) als auch die Numer 1 bei den Frauen (Jenny Duncalf) hatten kurzfristig abgesagt.
U.a. dieses veranlasste die Squashnet-Redaktion ja auch dieses Turnier zurecht als EM 2.Klasse zu bezeichnen.
Die Besprechung war um 12.30 Uhr schon wieder zu Ende und die Spiele begannen erst um 16 Uhr. D.h. ich war quasi einen ganzen Tag (mehr als 24 Stunden) zu früh angereist.
Somit hieß es also wieder 3,5 Stunden, unterbrochen vom Mittagessen und o.g. Einkaufen im nahe der Squashhalle gelegenem Supermarkt, die Zeit totzuschlagen.
In den beiden Teilnehmerfeldern konnte man erkennen wie unterschiedlich die Wichtigkeit dieser zweitklassigen EM in den einzelnen Ländern gesehen wird. Manche Nationen blieben dem Ereignis völlig fern, wie z.B. alle britischen Nationen (einzig Jenny Duncalf war ja gemeldet, sagte aber ab), manche schickten nur ihre Meister/in (wir ja z.B. auch nur Simon Rösner, nachdem Sina Wall, die eigentlich auch dort spielen wollte, ja wegen ihrer schweren Verletzung verhindert ist), aber manche Nationen waren reichlich mit Spieler/innen vertreten wie die osteuropäischen Länder. Die zweitmeisten Teilnehmer stellten aber die Niederlande mit 3 Spielerinnen, 4 Spielern und 2 Trainern. Frankreich war sogar mit 5 Spielerinnen, 3 Spielern (Gaultier wäre der 4. gewesen), 2 Trainern und einem Physiotherapeut dabei.

So, das wars erstmal. Fortsetzung morgen.

Einzel-EM in Helsinki 22. Mai 2012

Hallo Leute,

von der Team-EM und der DEM in Nuernberg von vorher im Mai berichte ich wie auch letztes Jahr von den Turnieren auf deutschem Boden nicht, da es von entscheidenden Personen nicht erwuenscht ist.

Heute melde ich mich daher aus dem Airport-Hotel Holiday Inn am Flughafen Helsinki, da wir Schiris wie gewohnt einen Tag vor Beginn der Veranstaltung anreisen sollten.

Tja, aber sonst gibts nix nennenswertes zu berichten, denn hier sind wir ziemlich von der Squashwelt abgeschnitten. Zum Glueck war Bombenwetter, so dass ich den halben Tag (ich war schon um 13 Uhr im Hotel) im Hotelgarten die Zeit in der Sonne liegend totschlagen konnte und den Rest der Zeit verbringe ich also hier vor dem kostenlosen Internetzugang in einer Internetecke des Hotels.

Zwischendurch gab es dann noch Abendessen mit den 4 britischen Schirikollegen (inkl. einem Assessor= Schiripruefer). Als Getränke standen grosse Karaffen Wasser und witzigerweise Milch zur Verfuegung. Ein Franziskaner-Weizenbier kostet hier im Hotel 8,80 Euro. Da haben sogar meine britischen Kollegen dankend verzichtet.

Morgen nach dem Frühstück gehts dann von hier zur Squashhalle, wo es das Mittagessen geben wird und dann um 16 Uhr die Spiele beginnen.
Abends ziehen wir dann ins Turnierhotel um.
Wenn das Turnier-Hotel in Espoo, einem kleinen Vorort von Helsinki, auch eine kostenlose Internetecke hat, werde ich versuchen von dort wieder zu berichten, denn ich denke das abendliche Abhängen an der Hotelbar wird angesichts der Bierpreise ja ausfallen, so wie heute.

Also, bis (wahrscheinlich) morgen!

Euer Oliver