PSA-World-Series-Turnier El Gouna/Äygpten (3)! 24. April 2012
Weiter geht es mit dem 3. Spieltag auf den Normal-Courts ..
2 der 4 Spiele waren wirklich sehr bemerkenswert. Da war das Spiel der Nr.8 der Welt, Mohamed el Shorbagy, gegen den 36-jährigen Franzosen Thierry Lincou, Nr. 10 der WRL. Shorbagy spielte den ägyptischen Stil – volle Attacke, Tempo-hochhalten und vielen cross-court Nickshots aus allen Lagen. Lincou, genau das Gegenteil, also immer butterweichen Bällen, möglichst long-line am besten an der Seitenwand klebend und dann die plötzliche Tempoverschärfung bei einem Schlag, wenn Shorbagy mal einen schlechten Ball spielte.
Für mich war es das beste Spiel des ganzes Turniers. Leider endete das Spiel kontrovers, da 2 der 3 Schiris den 10:8-Matchball von El Shorbagy im 5.Satz bei Thierry Lincou als doppelt entschieden haben, worauf ein fast eine Minute langer Protest von Thierry folgte. Aber letztendlich sah Thierry es sportlich, als er in einem Interview sagte, dass er das Spiel nicht im letzten Ballwechsel verloren hatte. Ob der Ball doppelt war, konnte ich auch nicht beurteilen.
Neben mir hat sich Amr Shabana das Spiel angeschaut, der im Sommer „erst“ 33 Jahre alt wird, aber trotzdem ja schon mehrfach Rücktrittsgedanken geäußert hatte. Ich sagte ihm, dass angesichts der Leistung des 36-jährigen Lincou er ja noch mehr als 3 Jahre vor sich habe. Seine Antwort mit einem breiten Grinsen war: „I don´t think so“.
Auch Ramy Ashour, der sich sonst für andere Spiele, außer von seinem Bruder Hisham, nicht interessiert, hat sich das Spiel Shorbagy-Lincou begeistert angeschaut. Sehr schade für das Spiel, dass es nicht auf dem Glas-Court war.
Gerüchten zufolge will Lincou noch bis nächstes Jahr Sommer weiterspielen, denn dann ist die Herren-Mannschafts-WM in Frankreich. Dann wäre er 37 Jahre und einige Monate alt.
Das 2. bemerkenswerte Spiel an dem 2.-Runden-Tag im Normal-Court war danach dann Hisham Ashour (dem 5 Jahre älterem Bruder von Ramy) gegen Shabana, welches erstmalig in der Karriere der beiden, Hisham gewann, in gerade mal 48 Minuten. Das bemerkenswerteste an dem Spiel war aber eher, das Benehmen von Shabana, welches seinem Legendenstatus als 4-facher WM nicht entsprach, nämlich aus Wut über eine Schiri-Entscheidung mit dem Schläger gegen die Glasrückwand in Richtung Schiri zu schlagen!! Was er noch gemacht hat, will ich lieber für mich behalten.
Nach diesen Spielen fuhren wir Europäer, wie schon mal oben erwähnt, zum späten „Mittagessen“ um 17 Uhr zum Moods. Europäer heißt: Wir 3 europäischen Schiris und dazu noch Steve aus England und Framboise aus Frankreich, beide von der SquashSite.
Erinnert ihr euch noch was ich über Framboise vor mehr als einem Jahr schrieb? Die Frau hat nicht nur ein Haar auf den Zähnen, sondern ein ganzes Haarbüschel. Dieses Mal hat dies der arme Ralf Harenberg bei diesem „Mittagessen“ zu spüren bekommen. Darüber hinaus schrieb sie in einem Bericht über ein Spiel wo er dabei war, über die Schiris, dass sie „not the most experienced ones“ waren. Unverschämtheit! Ralf hat wahrscheinlich schon international geschiedst, bevor die Framboise das Wort Squash überhaupt jemals gehört hat!
Von den Abendspielen des 3.Tages gibt es 2 Dinge zu berichten: Einerseits, dass erstmals der Court rutschig war, so dass bei dem von mir als Center-Referee geleitetem Spiel von Matthew gegen Reda von den offiziellen 85 Spielminuten 9 Minuten fürs Court-Putzen draufgingen.
Und das andere bemerkenswerte war das Spiel von Simon Rösner gegen Gregory Gaultier, in dem Gaultier bei Rückhand-Volley-long-line-Bällen „blocking“ in Perfektion demonstrierte, aber so geschickt ,dass es für die Schiris keine Möglichkeit gab dagegen einzuschreiten und man Simon nur dutzende male let geben konnte. Auch wenn die amerikanischen PST-Regeln natürlich völliger Schwachsinn sind, hätten sie DIESEM Spiel gutgetan. Als Simon im 3. Satz bei 4-10 sechs Matchbälle gegen sich hatte, geschah aber das unglaubliche, als er 8 Punkte in Folge gewann und den Satz noch holte. Gregory rächte sich dann aber im 4.Satz mit 11-1.
Damit waren also die ersten 3 Tage vorüber und somit gab es keine Spiele mehr mittags im Normal-Court und der „Urlaub“ konnte richtig beginnen. D.h. also nicht mehr um 8.00 Uhr aufstehen müssen, da man ja ab jetzt den ganzen Tag Zeit hatte, um Sonnenstrahlen zu tanken, weiterhin um 17 Uhr zum Moods zu fahren und dann abends nach Sonnenuntergang, der exakt um 18.30 Uhr war, zu schiedsen.
In den ¼-Finalspielen waren dann nur noch John und Ralf als Centerschiri eingesetzt. Ich aber immerhin in 3 der 4 Spiele als Seitenschiri. Mein 24-jähriger junger Zimmerkollege war ab dann im Schiri-Trio nicht mehr dabei, sondern bei vielen Spielen (sogar im Endspiel) in seiner Lieblingsrolle als „Video-review-Schiri“. Das machte er sehr gut. Er hatte darin auch viel Übung, denn er hat ein Abo von SquashTV und schaut sich alles an was dort gesendet wird und schiedst immer für sich selbst mit. Ich hatte John Massarella gebeten nicht als Video-Review-Schiri eingesetzt zu werden, da ich aus Zeitgründen mir keine Spiele am PC anschaue und daher nicht sicher war, ob ich als Video-Schiri die richtigen Entscheidungen treffen würde.
Bei den ¼ -Finalspielen war der Court-Boden im offenstehenden Glas-Court zwar wie schon am Vortag nicht optimal, aber wohl immer noch halbwegs akzeptabel. Selbst an Beschwerden von James Willstrop an dem Tag kann ich mich nicht erinnern, obwohl es an dem Abend schon ganz heftig windig war und man befürchten musste, dass Sand in den Court gewirbelt würde. Allerdings rutschte Mohamed el Shorbagy beim vorletztem Punkt in seinem Spiel aus, fiel aufs Hinterteil und prallte dabei mit dem Knie gegen die Wand.
Das war wohl schon der Vorbote dessen, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Am nächsten Abend, dem wieder sehr windigen ½-Finaltag, war der Court vermutlich unbespielbar. Im ersten ½-Finale zwischen James Willstrop und Karim Darwish rutschten die Spieler ständig, obwohl ca. alle 5-7 Ballwechsel der Court feucht durchgewischt wurde.
Und wisst ihr womit? Mit COLA als Zusatz im Wasser!! Ja, richtig gelesen. Die Handtücher, die um die Wischer gewickelt wurden, wurden in Cola getränkt, in der Hoffnung, dass der Court dann griffig werden würde. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Und wer es trotzdem nicht glaubt, kann es gerne im Blog von James Willstrop nachlesen. Die Idee mit der Cola hatte ich vor 1 ½ Jahren auch schon, aber da wurde mein Vorschlag damals von John und dem Turnierdirektor als Unsinn abgetan. Späte Genugtuung!
Was mich wundert, ist, dass die Spieler aber auch keine Vorkehrungen getroffen haben, um ihre Sohlen griffiger zu machen. Naja, jedenfalls wurde das Spiel von Willstrop und Darwish nach dem 1.Ballwechsel des 2.Satzes abgebrochen und nach ewig langen Diskussionen (vermutlich über eine ½ Stunde) zwischen Spielern, beiden PSA-Managern, Turnierdirektor und Oberschiri John wurde entschieden, das Spiel im Normal-Court des Hotels Mövenpick fortzusetzen.
Ralf Harenberg und 2 ägyptische Seitenschiris fuhren dann also mit den Spielern und Framboise, um das Spiel vor einer Handvoll Zuschauern fortzusetzen, welches Willstrop dann ziemlich locker 3-0 gewonnen hat.
Die beiden Spieler des nächsten ½ -Finales, nämlich Ramy Ashour und Nick Matthew erklärten sich dann bereit dennoch bereit, auf diesem eigentlich unbespielbaren Boden zu spielen, wenn dort noch eine Stunde der Boden weiterhin mit den Cola-Handtüchern durchgewischt würde. Und so war es dann auch. Nachdem also mehrere 1,5-Liter-Flaschen Cola verwischt wurden, wurde das Spiel also tatsächlich eine Stunde später ausgetragen.
So gut wie alle Zuschauer hatten auch brav ausgeharrt.
Ralf Harenberg, der ja im Mövenpick-Court war, wurde durch den Spieler Tarek Momen ersetzt, da kein nationalitätsneutraler Spieler mehr anwesend war.
Meine Hochachtung hat aber Nick Matthew, dass er sich diesen Court-Bedingungen stellte, denn für ihn, dessen Spiel hauptsächlich aufs Laufen ausgelegt ist, ist ein glatter Court-Boden natürlich viel mehr Gift als für einen Shotmaker wie Ramy Ashour. Aber dennoch entwickelte sich einen tolles Spiel, in dem es 2 Ballwechsel gab, die bei youtube als „best-Rally ever“ angepriesen werden.
Am Finaltag wurde dann der Court-Boden bis kurz vor Spielbeginn mit einer Folie ausgelegt, um ihn vorm Staub zu schützen, aber gebracht hatte es wohl wenig, denn beide Spieler klagten von Anfang an über die Bedingungen. Ramy Ashour aber wollte vor seinem Heimpublikum dieses Spiel unbedingt auf dem Glas-Court durchziehen und so blieb James Willstrop nix anderes übrig als sich diesem Schicksal zu beugen. Und so machte er bis 2:5 im 3.Satz bei 0:2-Satzrückstand gute Miene zum bösen Spiel, bevor er das Spiel aufgab.
Vor der Siegerehrung gab es erst einmal ein gefühlt 5-minütiges Feuerwerk, wie wir es von Silvester kennen, und dabei wurde in Discolautstärke das Lied „Firework“ von Katy Perry gespielt. Das war super! Schade, dass das vorherige Endspiel wegen der Bedingungen alles andere als ein Feuerwerk war.
Als bei der Siegerehrung bekanntgegeben wurde, dass die PSA plant dieses Turnier im Jahre 2014 als WM auszurichten, war James Willstrop das Entsetzen im Gesicht anzusehen.
Das Turnier ist zwar klasse, auch alle Spieler lobten es im Grundsatz, besonders wegen der Unterbringung im Steigenberger-Hotel, aber bezüglich der Platzierung des Glas-Courts muss sich der Turnierdirektor eine andere Lösung einfallen lassen und ich bin sicher, dass er das auch tun wird.
Nach der Siegerehrung bin ich dann mit James Willstrop zusammen in einem Tuk Tuk zurück zum Hotel gefahren. Um Mitternacht kam mein Taxi, um mich zum Flughafen zurück zu bringen, denn mein Rückflug startete um 2.15 Uhr nachts. Auch eine Premiere für mich, denn einen Nachtflug hatte ich bis jetzt auch noch nie.
So, das wars, bis zum nächsten Mal. Danke für die Ausdauer derjenigen, die bis zum Ende gelesen haben



