London Open 2. Dezember 2011
Hallo Leute,
nach lange Zeit melde ich mich mal wieder, nachdem es dieses Jahr wegen der Unruhen in Aegypten dort nix zu schiedsen gab und bei all den anderen events (ausser der U15/17-Jugend-EM) bei denen ich geschiedst oder zugeschaut habe, die Squashnet-Redaktion selbst vor Ort war und ich dabei dann nicht auch noch meinen Senf dazu geben wollte.
Hier in London bin ich aber alleine. Die Squashnet-Redaktion meinte, aber ich solle in meinen Berichten mehr ueber das Drumherum berichten und weniger ueber die matches selbst, denn das wuerde sich aus den Ergebnissen sowies ergeben, ausser es gab Besonderheiten.
Nun gut, versuche ich es mal
Ich war also beim gestrigen 1/8-Finaltag dieses Turniers http://squashnet.de/squash-events/coronation-london-open-2011-m-london und beim gleich beginnenden 1/4-Finaltag.
Das Turnier findet im Cumberland-Lawn-Tennis-und Squash-Club statt, der im Norden von Central London liegt. Der Club liegt mitten in einem Wohngebiet in einer Seitenstrasse und sieht von aussen aus wie ein normales 2-stoeckiges Wohnhaus. Man muss sogar klingeln, um reinzukommen. Dann aber sieht man, dass der Club doch gar nicht so klein ist. Hinterm Haus sind ein paar Rasentennisplaetze und im Haus sind neben den 4 Squashcourts auch noch 2 Tischtennisplatten, ein Fitnessbereich und eine relativ grosse Gastronomie mit fuer Londoner Verhaeltnisse sehr zivilen Getraenkepreisen. Ein Pint Bier z.B. kostet umgerechnet nur 2,70 Euro. Goeffnet wird schon morgens ab 7.00 Uhr !!!!
Die 4 Squashcourts bestehen aus 3 Courts ohne Glasrueckwand, wovon aber einer von oben schiedsbar ist. Der wurde gestern fuer die Damenspiele benutzt. Der gestrige Herren-Court, der heute fuer alle 8 Viertelfinalspiele benutzt werden wird, hat aber eine normale Glasrueckwand und eine kleine Zuschauertribuene, die 60 Plaetze fasst.
Turnierleiter des Turniers ist Zubair Jahan Khan, der 1997 die Nummer 8 der WRL war, der sehr sympathisch ist, aber ein kleiner Macho zu sein scheint, denn als ich ihn drauf ansprach, dass die Nr. 2 der Damenweltrangliste Jenny Duncalf unter den Zuschauerinnen sei, meinte er nur, dass er sie nicht kenne, da er sich nicht fuer Damen-Squash interessiere. Kein Wunder, dass die Preisgeldreduzierung des Turnieres im Vergleich zum letzten Jahr um 4.000 USD komplett auf Kosten des Damenfeldes ging.
Und bei den Schiris wird hier jedes Jahr auch gespart, denn obwohl es sich um ein 20.000 USD-PSA sowie 6.000 USD-WISPA-Turnier handelt, muessen hier die Verlierer/innen des vorherigen Spiels schiedsen, es sei denn Zubairs Bruder oder ein pakistanischer Freund (der aber katastrohal schiedste) helfen aus, wenn sich bei den Herren die Spieler vorm schiedsen druecken. Daher bot ich an auch ein Spiel schiedsen und bekam gerade ein Turnier-Shirt geschenkt, welches ich gleich beim Schiedsen anziehen solle.
Auch einen Oberschiri habe ich hier nicht gesehen.
Da das Preisgeld des Damen-Turniers nur 30% des Herrenpreisgeldes ausmacht, ist das Damen-Feld entsprechend auch schwaecher besetzt. Im Damen-Feld kam man als Nr. 126 der WRL noch ins Hauptfeld sowie bis Nr.273 in die Qualifikation, waehrend bei den Maennern die Hauptrunde bis Nr.67 der WRL ging und die Qualifikation bis Nr.152.
Komisch, dass hier kein Deutscher Spieler dabei ist, denn mit Billigflieger nach London ist es doch kein Problem und einfacher als in die ganze Welt in die USA, Kanada, Australien, Katar, HongKong usw zu fliegen.
So, dass zu den Randgeschichten.
Kleine Anmerkungen zu den Spielen. Im Damenfeld gab es eine Wildcard in der Qualifikation fuer eine Spielerin, die gar nicht in der Weltrangliste steht, naemlich die 43-jaehrige Schottin Senga Macfie. Die war zu ihrer besten Zeit mal die Nummer 16 der WRL. In der Qualifikationsfinalrunde gewann sie sogar gegen die Nummer 144 der WRL mit 11:9 im 5.Satz.
Und scheinbar meinte sie, dass sie gestern gegen eine Spielerin, die in den 60ern der WRL steht, auch eine Chance haette. Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die so vor Ehrgeiz, aber auch gleichzeitig aus Wut ueber sich selbst zerfressen war.
Es gab permanente Selbstgespraeche nach jedem schlechten Schlag, Kopfnuesse gegen die Seitenwand und auch sich Selber-Schlagen mit dem Schlaeger. Nuetzte alles nix. Senga verlor sang- und klanglos in 24 Minuten 0-3.
Beim Schiedsen danach genehmigte sie sich dann erstmal einen Pint Bier.
So, gleich beginnen die Spiele. Mal sehen ob ich spaestens am Montag die Fortsetzung von gestern, naemlich der Biancheti-Show und vom heutigen Tag schreiben kann. Ob ich am WE an einen PC komme, weiss ich noch nicht.
Bis dann.




